Indisch Kochen PDF Drucken E-Mail

Ein Nachmittag - fast wie in Indien!

Mit den Kindern der Grundschule Botenheim eine Reise zu den Kindern in unserem Kinderheim in Indien zu unternehmen – das wäre eine klasse Idee. Ich selbst war dort für zwei Monate zu Gast bevor ich in die Schule kam und kann mich noch heute an Vieles erinnern. Die Hitze, die Kinder, das scharfe Essen, die bunten Sarees … . Später, als ich in die Grundschule ging, hatten wir eine Partnerschaft mit dem Kinderheim und bis heute werden immer noch Bilder und Briefe ausgetauscht. Da Indien für einen Ausflug viel zu weit weg ist – man muss 10 Stunden fliegen, 135 Stunden mit dem Auto fahren oder 2000 Stunden ohne Pause zu Fuß gehen - um dorthin zu kommen, haben wir in der Grundschule einen indischen Nachmittag gestaltet.

Als Ute Neuschwander gefragt hat, ob ich mit dabei sein möchte, habe ich sofort begeistert zugesagt.

Wir haben uns vorher bei Ute getroffen und gemeinsam Ideen gesammelt. Ich wollte gerne Fotos zeigen, ein Spiel machen und gemeinsam sollte indisch gekocht werden. Zehn Kinder hatten sich für dieses Angebot der Botenheimer Kinderakademie gemeldet und kamen mit Schneidebrettchen voller Erwartung in die Schule. Zur Einstimmung haben wir uns gegenseitig mit dem indischen „Vanakkam“ begrüßt. Dazu legt man die Handflächen auf der Höhe des Herzens gegeneinander und verneigt sich mit der Stirn bis zu den Fingerspitzen. Den Mädchen haben wir jeweils ein „Bindi“ auf die Stirn geklebt. Mit diesem roten Punkt zwischen den Augen fühlten sie sich schon „fast wie in Indien“ und sahen auch fast wie indische Kinder aus. Finn hatte eine Landkarte an die Tafel gemalt auf der wir zeigen konnten, wohin die Reise ganz genau gehen soll. Nämlich ganz in den Süden fast an die Spitze Indiens. Zuerst haben wir dann mit der ganzen Gruppe im Klassenzimmer das Gemüse klein geschnitten. Blumenkohl, Brokkoli, Erbsen, Bohnen, Karotten, Paprika und Auberginen wurden mit großem Eifer für das „Vegetable Masala“ zerstückelt. Die erste Gruppe ging mit der Hälfte davon in die Küche um es anzudünsten. Außerdem gab es dort viele verschiedene Gewürze zum Riechen und Erraten.

Aber richtig

scharf haben wir nur einen Teil des Gemüses gewürzt. Den anderen Kindern habe ich in der Zeit Bilder aus dem Kinderheim gezeigt. Dazu hatte ich die Fotos nach dem Tagesablauf der Kinder geordnet. Die Botenheimer Kinder fanden es lustig, dass ihre indischen Freunde keine Stühle und keine Betten haben, sondern auf dem Boden schlafen und auch essen. Auch die Namen klingen ganz fremd. Ich hatte dazu ein Spiel vorbereitet. Die Kinder sollten die Namen ihrer Freunde nach Mädchen- und Jungennamen sortieren. Das ist richtig schwierig bis man erkennt, dass auch in Indien die Mädchennamen oft mit einem „a“ enden. So wie Sybilla, Lavanya, Anusha oder Priya. Aus einem Kalenderblatt, auf dem zwei Inderinnen abgebildet waren, die mit Krügen Wasser tragen, hatte ich ein Puzzle geschnitten. Das Zusammensetzen ging ganz flott. Danach haben wir die Gruppen getauscht. In der Küche wurde der Rest des Gemüses gegart und dazu ein „Lemonreis“ gekocht. Das ist Reis, der mit Curcuma, Pulver der indischen Gelbwurz, gelb gefärbt wird. In Indien gibt es diesen gelbgefärbten Reis zu jedem Festessen.

Der Höhepunkt des Nachmittags war unser gemeinsames Essen auf dem Boden und mit den Fingern

– genau so wie wir es auf den Fotos gesehen hatten. Dazu haben wir die Töpfe mit Reis und Gemüse auf den Boden gestellt und uns im Schneidersitz im Kreis darum herum gesetzt.

Aus Indien hatten uns die Kinder sogar extra für diesen Nachmittag das Gebet aufgeschrieben und geschickt, dass im Kinderheim vor jedem Essen gebetet wird. Das Essen war richtig lecker und die Kinder hatten sehr schnell den Dreh heraus, wie man mit den Fingern Reis und Gemüse in den Mund „schaufeln“ kann. Zum Glück war der Reis klebrig und konnte mit dem Gemüse gemischt und zu kleinen Kugeln geformt werden. Es sah fast so aus, als ob die Kinder vorher heimlich geübt hätten! Sogar von dem original indisch scharf gewürzten Gemüse haben alle etwas versucht. Ute hatte zu Hause einen leckeren Nachtisch vorbereitet und dazu gab es noch eine richtige Mango. Wir waren uns alle einig: Der Nachmittag hat richtig Spaß gemacht und es war wirklich „fast wie in Indien“.

 

Paulina Siegel